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Road2Rio – Ein Jahr danach / Road2Rio – One Year After

einsortiert unter: Allgemein, am 16. Juli 2015

Der heutige Tag ist etwas kühler als die vergangene Hitzewelle, die Deutschland die letzten Wochen überrascht hat. Und so kommt es, dass heute nicht einmal das Wetter an unsere damalige Zeit auf dem Amerikanischen Kontinent erinnert. Wir sind seit genau einem Jahr wieder zurück in der Heimat, und alles scheint genau so zu sein wie vor der Abreise. Wir wohnen wieder an denselben Orten, treffen unsere guten alten Freunde, besuchen dieselben Biergärten und es scheint tatsächlich, als wäre man nie weg gewesen.

Vor und waehrend der Reise haben wir uns natürlich immer wieder gefragt, ob man als veränderte Persönlichkeit heimkehrt? Wie sehr würden uns all die Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse auf lange Sicht prägen? Wuerden wir, wie bei „Cast away“, nur noch auf dem Boden neben unseren Betten schlafen koennen? Halten wir es in unserer ueberbevoelkterten, verdreckten Zivilisation ueberhaupt noch aus?
Tatsächlich wird man in der Tat entspannter, wenn beim Tengelmann beispielsweise wieder nur 2 Kassen besetzt sind und alles etwas länger dauert – immerhin muss man sich nicht stundenlang durch das hohe und kalte La Paz kämpfen, um irgendeine Behörde zu finden, die einem eine Autoversicherung verkauft. Im warmen Supermarkt an der Kasse warten, es gibt Schlimmeres.
Genauso wissen wir immernoch sehr zu schätzen, dass man einfach nachts durch den Münchner Englischen Garten spazieren kann und die einzige Bedrohung das Wurzelwerk ist, ueber das man böse stolpern kann. In San Pedro de Sula in Honduras, und eigentlich in allen anderen Städten Mittel- und Südamerikas, wäre das ein absolutes No-Go.
Kaffee auf Knopfdruck, Bueffelmozarella im Supermarkt, eine richtige Waschmaschine, eine Heizung…Polizisten, die einem wirklich helfen wollen…all das ist fuer uns immernoch ausserordentlich, und wird hoffentlich immer so bleiben.
Aber wird man im Geschäftsleben nun ruhiger und ist weniger stressanfällig, weil man so viel gesehen hat? Interessanterweise nicht. Wir haben beide nach unserer Heimkehr neue und sehr fordernde Jobs angenommen, und wir können euch eins sagen: vor Bären flüchten zu müssen, in Mexiko oder Honduras von bewaffneten maskierten Männern “kontrolliert” zu werden – all dies hilft einem mental auch nicht viel, wenn wieder mal eine kritische Deadline ansteht und bis in die Nacht hinein gearbeitet werden muss. Die Soziologen sagen, dass gemaess der Systemtheorie dies auch nicht moeglich ist. Das Bewusstsein bezieht in den eigenen Mikrokosmos vergangene oder weit entfernte Erlebnisse nicht mit in die Gefuehlslage mit ein. Mit anderen Worten: Das Wissen, dass viele Menschen, die wir im kolumbianischen Hochland kennengelernt haben, nicht einmal Strom haben, macht einen zurueck in Deutschland auch nicht wirklich sorgenfreier. Interessant, oder?

Aber die Veränderungen sind da, im Hintergrund und unbewusst, sie kamen schleichend. Natuerlich hinterfragt man vieles kritischer. Wir haben seit unserer Rückkehr nichts gekauft, ausser Ersatz für die verschlissenen kurzen Hosen, ein paar T-Shirts und zwei neue Handys. Mit Gesprächen über die Kinderwägen mit der besten Federung können wir ueberhaupt nichts anfangen, und erinnern uns an die Peruanerin in den Anden, die ihr fröhlich glucksendes Kind einfach auf den Rücken gebunden hatte, während sie mit uns gemeinsam Essen gekocht hat. Wir können auch nicht mehr verstehen, wieso wir Deutschen uns stundenlang über die beste Berufsunfaehigkeitsversicherung unterhalten können oder bei einem Kratzer im Auto tatsächlich mehrere tausend Euro für eine Reparatur ausgeben. Lachs aus dem deutschen Supermarkt können wir kaum noch kaufen, die Erinnerung an Alaska ist noch zu präsent. Glücklicherweise haben wir Metzgereien gefunden, welche (uebrigens hervorragendes) deutsches Fleisch nach südamerikanischer Art schneiden, also mangelt es uns auch weiterhin nicht an Vitamin R  :-).

Und was passiert jetzt? Clemens ist neuerdings verlobt (whoo-hooo), lässt sich häuslich nieder und plant, in Zukunft erst einmal die entlegenen und einsamen Ecken Europas zu befahren. Richard ist quasi das Gegenteil: Er hat seinen neuen Job bei einem coolen start-up bereits wieder gekündigt, und versucht nun als Selbstständiger sein Glück. Nebenbei arbeitet er bereits an einem eigenen Projekt (www.ways2live.net – stay tuned ;-)). Und irgendwie spukt da noch so eine Idee von “The Big Round” in seinem Kopf herum, nämlich die Umrundung des Himalaya mit Sami von Muenchen aus…aber das ist derzeit nur eine Vision. A pro pro Sami: Unser alter Junge ist mittlerweile repariert und hat sich sein neues Fahrwerk redlich verdient. In den nächsten Wochen bauen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein, und dann ist er wieder der Alte. Ach, was lieben wir ihn!

Und die Reise an sich? Die WM? Wir denken jeden einzelnen Tag daran. Mehrmals. An all die Kilometer und Länder, wir können uns erstaunlich gut an jeden Stopp unserer Reise erinnern. Und natürlich an das Maracana. Die Stunden davor, die Copacabana danach. Im Grunde denken wir jede freie Minute zurück, und der 13. Juli wird immer ein besonderer Tag für uns bleiben. Wenn wir TV-Bilder von der WM im Fernsehen sehen, kommen uns fast die Tränen, und das wird sich in den nächsten Jahrzehnten wohl auch nicht ändern. Zumindest hoffen wir das. Philipp Lahm brachte es vor kurzem auf den Punkt „Weltmeister bleibst du lebenslang“.

Bitte bleibt uns noch etwas treu, Richard wird demnächst zu einem neuen Projekt einladen, dass euch alle mit auf weitere grosse Abenteuer mitnehmen wird – und zwar interaktiv!

Bis dahin bleibt nur zu sagen: Vielen Dank für das ueberragende Feedback zu unserem Film! Für alle diejenigen, die ihn noch nicht gesehen haben oder gegebenenfalls noch ein tolles Geschenk suchen – auf Amazon gibt es noch einige Exemplare zu erstehen :). Wir bedanken uns im Voraus für jeden Kauf bei euch! http://www.amazon.de/dp/B00PSNCAHU

Unseren ersten Schluck des Jubiläumsbieres spenden wir wie immer als Dank für Alles an unsere geliebte Pacha Mama.

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english version:

Today it is a bit cooler than the previous heatwave which afflicted Germany during the past weeks. And so it is, that today not even the weather reminds us of our time on the American continent. We are back since exactly one year now, and everything seems to be the same as before we left. We live at the same places, meet the same good old friends, visit the same beergardens and it really feels like we have never been away.

Before and during our trip we asked ourselves over and over again, whether we’d come home with completely changed personalities? How much would all the impressions and experiences imprint us on the long run? Would we, just like in „Cast Away“, only be able sleep on the ground next to our beds? Would we at all be able to live in our overpopulated, manky civilization again?
Indeed you get more relaxed, for instance in the line at the register in the supermarket, when things take longer than usual – at least you don’t have to fight your way through the high and cold La Paz to find some super-slow officials who sell you a useless car insurance. To wait in a warm supermarket, there are worse things than that.
And just as well we still appreciate that you can simply walk through Munich’s English Garden at night, and the only danger are nasty roots on the grounds which can make you stumple quite heavily. In San de Predo de Sula in Honduras, and in pretty much all other cities in Central- and South America this would be an absolute  no-go. Coffee at the push of a button, buffalo mozarella cheese in the supermarket, a real washing machine, a heating…police cops who are really willing to help you…all that is still extraordinary for us, and we hope that it always will be.
But do you get more relaxed when being back to business, because you have seen so much? Are you more stress-resistent in your job? Interestingly no. We both took new and challenging jobs straight after our return, and we can tell you one thing: Getting chased by bears, being „controlled“ by masked armed men in Mexico or Honduras – all that doesn’t relly help mentally when there is another critical deadline to meet and you have to work late night. The sociologists say that, according to the systems theory, this isn’t even possible. The own consiousness doesn’t factor previous or distant experiences into the current emotional situation. In other words: Knowing that many of the people we got to know in the Colombian Highlands don’t even have electricity doesn’t really make you feel happier back home in Germany. Interesting, isn’t it?

But the changes they are there, in the background, unconscious, they came subtle. Of course we question things more critically. Since we’ve been back we didn’t buy anything except some replacement for our worn out pants, a few shirts and two new phones. We can’t do anything with discussions about the newest strollers with the softest suspensions, and we think back to the Peruvian lady in the Andes who carried her happily chuckling child tied on her back, while cooking food together with us. We cannot get at all how we Germans can talk for hours about the best disability insurance and why we spend thousands of Euro to remove a tiny scratch from our cars. It is hard for us to buy salmon in German supermarkets, the memories of Alaska are too present still. Luckily we’ve found butchers who sell South-American beef cuts (very good ones btw), so we are not suffering a lack of vitamin R here in Germany :-).

And what happens now? Clemens is engaged now (whhoooohoo), is settling down and plans to visit the remote and lonely places of Europe now. Richard is the opposite: He already has quit his new job at a cool start-up, and tries his luck by being self-employed. Along the way he works on an own project (www.ways2live.net – stay tuned :-)). And somehow there is that idea of „The Big Round“ which is haunting in his head, a circuit tour around the Himalaya with Sami, starting in Munich…but that’s only a vision for now. Talking about Sami: Our old boy is completely repared now, and he really earned his new suspensions. We gonna add some details in the upcoming weeks, and then he is back to his old form. What do we love him!

And the trip itsself? The World Cup? We think back each day. Several times. All those miles and countries, we still can remember all places and situations surprisingly well. And the Maracana, of course. The hours before the match, the Copacabana after. We seriously think back every possible minute, the 13th of July will always stay a magic day for us. When we see the TV footage of the World Cup we almost start crying, and that most probably won’t change over the next decades. At least we hope so. Philipp hit the nail recently: „World champion is something you remain your entire life.“

Please remain true to us for a little while, Richard will soon invite to his new project which will take you on further big adventures – interactively!

So, in the end, we again have to say: Thanks so much for the overwhelming great feedback to our movie! For those of you who haven’t seen it yet or who are looking for a cool birthday present – there are some copies left on Amazon :-). http://www.amazon.de/dp/B00PSNCAHU
Thanks so much in advance for every purchase!

Our first mouthful of our anniversary beer is, as always, dedicated to our beloved Pacha Mama – thank you for everything!

Vortrag in der Stadtbuecherei Zuffenhausen

einsortiert unter: Allgemein, am 18. Januar 2015
Liebe Freunde, noch sind einige Plaetze frei! Der naechste Road2Rio-Vertrag startet am kommenden Freitag, dem 23.1., in der Stadtbuecherei Stuttgart-Zuffenhausen!

Um 19:30 geht’s los, und wie gehabt moechten wir euch mit vielen emotionalen Geschichten und Filmen von unserer grossen Reise zum WM-Finale erzaehlen.

Bitte meldet euch im Voraus telefonisch oder per Email an, der Eintritt betraegt schlappe 5 Euro:
Telefon: 0711/216-91623
Email: stadtteilbibliothek.zuffenhausen@stuttgart.de

Wir freuen uns auf euch!!!

Flyer Stadtbuecherei Artikel Wochenblatt

Road2Rio hat eine Geschenkidee fuer Weihnachten / Road2Rio has a suggestion for a christmas present

einsortiert unter: Allgemein, am 7. November 2014

Ihr denkt schon ueber ein cooles Weihnachstgeschenk nach? Haltet noch ein paar Wochen durch…etwas Grosses ist im Anmarsch!

Already thinking about a cool Christmas present? Hang on for some more weeks…something big is coming!

Interview im Stile von Chris McCandless

Interview im Stile von Chris McCandless

Road2Rio Vortrag am 15.11. in Stuttgart-Zuffenhausen

einsortiert unter: DIE WELTMEISTERSCHAFT, am 9. Oktober 2014

Liebe Freunde und Weltmeister,

Wir halten am 15.11. (Beginn: 19:30) in Stuttgart-Zuffenhausen einen kleinen Vortrag mit vielen Bildern, lustigen Anekdoten und Videos von unserer grossen Reise und der Weltmeisterschaft. Hierzu moechten wir euch alle herzlich dazu einladen!!

Wir freuen uns ueber jeden Gast, der Eintritt ist frei, fuer reichlich Getraenke wird natuerlich auch gesorgt sein!

Falls ihr Interesse haben solltet, schreibt uns doch bitte ueber unser Kontaktformular eine kurze Email zu eurer Teilnahme, damit wir die Gaeste koordinieren koennen. Wir freuen uns auf euch!

Hier der Link zur Anmeldung:
http://www.road2rio.com/index.php?seite=kontakt&thema=vortrag

Der Vortrag wird im Naturheilverein Zuffenhausen stattfinden (Hirschsprungallee 12, 70435 Stuttgart). Bis dann 🙂

Mission completed.

einsortiert unter: DIE WELTMEISTERSCHAFT, am 3. August 2014

Seit genau zwei Wochen sind wir wieder in heimischen Gefilden, auch wenn wir im Kopf ueberhaupt noch nicht angekommen sind. Wie (und warum) sollte man auch, nach allem, was sich in dieser magischen Nacht in Rio de Janeiro ereignet hat:

Wir werden jetzt keine Abhandlung des Finalspieles schreiben, denn jeder hat das Spiel gesehen, die Bilder aufgesaugt, jeder von uns hat seine eigene Weltmeister-Geschichte geschrieben. Es war jedenfalls mit sehr grossem Abstand das intensivste, nervenaufreibendste und anstrengendste Spiel, das wir jemals in einem Stadion gesehen haben und vermutlich sehen werden. Wir wurden bereits um 6 Uhr morgens von Argentiniern auf der Strasse geweckt, aber schlafen konnten wir sowieso nicht. Allein der Weg ins Stadion, in das legendaere Maracana, war eine Mischung aus Gaensehaut und Nervositaet. Es war heiss, Menschenmengen, Polizei, ueber allem thront die Christusstatue… aber doch freundschaftliche Stimmung – Finaltag der Weltmeisterschaft! Der Tag, von dem wir jahrelang getraeumt haben, quasi taeglich waehrend der Reise . Wir sind tatsaechlich hier, es passiert alles wirklich. Es ist alles so irreal.

Wir versuchten uns einzureden, doch froh zu sein, allein schon im Stadion dabei sein zu duerfen. Dass es mit den Tickets geklappt hat. Ein WM-Finale geniessen zu duerfen, mal ganz unabhaengig vom Ausgang. Es ging nicht. Ein Verlieren ist undenkbar, es darf nicht sein! In jeder Sekunde, die wir in Zukunft rueckblickend an die Reise gedacht haetten, waere immer dieser Schmerz der Niederlage da gewesen. Eine rote Linie, die sich in alle Erinnerungen schleicht, ein fader Beigeschmack, ein grauer Vorhang ueber den Erinnerungsfotos, den man auch mit dem besten Bearbeitungsprogramm nicht retouchieren kann.
Doch zum Glueck, zum Glueck sollte die Geschichte an diesem Tag anders verlaufen.

Von unseren Plaetzen aus konnten wir die Haupttribuene sehen, und man traeumt, wie dort drueben, auf diesen leeren blauen Stufen, unsere Mannschaft moeglicherweise den groessten Triumph feiern koennte. Heute! Wie Philipp Lahm vor der Mannschaft den Pokal in die Hoehe reissen wuerde, Feuerwerk und Konfetti im Hintergrund. Hier und heute koennte es wahr werden. Irgendwie ging es uns auch um mehr: Wir wollten natuerlich, dass unser Traum wahr wird. Es ging auch ein wenig um den Beweis, dass man das Schicksal beeinflussen kann, dass alles moeglich ist! Dass allein aus einem Traum und festem Glauben (und vor 3 Jahren hatten wir nur das) etwas Grosses entstehen kann, was wenige fuer moeglich gehalten hatten.
Und es wurde wahr. All diese furchtbare Anspannung der letzten Wochen und Monaten entlud sich in der 113. Spielminute, und natuerlich nach Abpfiff. Wir koennen dieses Gefuehl nicht beschreiben. Bierbecher flogen, der deutsche Block ein einziger Knaeuel, mitten drin wir, in den Armen, weinend wie Schlosshunde, mit dem Wissen, dass es wirklich gerade eben wahr geworden ist. Unfassbar.

Es folgte eine magische Nacht an der Copacabana und in Lapa, alle deutschen Fans feiern ausgelassen, koennen kaum glauben, dass man gerade tatsaechlich den WM-Sieg bejubelt. Hunderte Menschen liegen sich in den Armen und schunkeln gemeinsam, „So ein Taaag…“ … das haben Brasilianer und Argentnier noch nicht gesehen. Und wir auch nicht.
All diese Gedanken haengen immernoch nach. Gerade eben waren wir noch in Botafogo essen, das letzte Abendmahl, heute schon sind wir in Stuttgart und Muenchen.

Die „Resozialisierung“ verlaeuft bei uns ziemlich unterschiedlich. Wir schmeissen eine kleine WM-Feier im Gruenen, Clemens bezieht mit seiner Freundin erstmals eine gemeinsame Wohnung. Der direkte Umbruch hilft sicherlich, um auf andere Gedanken zu kommen. Richard versteckt sich bis jetzt in seiner alten Wohnung in Muenchen, geniesst die Zeit alleine und trifft sich nach und nach mit den ersten Freunden. Am ersten August ging es fuer Richard erstmals wieder ins Office… wir sind gespannt, ob er sich nach 15 Monaten Flipflops ueberhaupt wieder in die engen Business-Schuhe zwaengen kann. Das ist im Grunde auch eine gute Metapher fuer das, was uns die kommenden Monate bevorsteht.

Und es ist wirklich so, wie andere Langzeitreisende es beschreiben – man staunt schon, wenn man nach 15 Monaten Nord- Mittel – und Suedamerika wieder zuhause ist. Wir leben im Paradies, und keiner scheint es zu wissen. Wir fuehlen uns leicht entrueckt, melancholisch, aber auch zugleich zutiefst gluecklich und zufrieden. Wir haben es geschafft. Es ist alles genau so gekommen, wie wir es wollten. Wir wissen noch alle Stationen unserer Reise ziemlich genau. Und nach allem, was passiert ist, faellt es uns schwer, an Zufaelle zu glauben.

Ein „Alter Mann“ kam uebrigens noch einmal vorbei, nach langer Zeit. Unser Rueckflug hatte einen Stopover in Recife, beide Flugsegmente jedoch mit unterschiedlichen Airlines. Fuer uns war es logisch, dass wir unser Gepaeck abholen und neu aufgeben muessen. Am Gepaeckband kam ein aelterer Mann zu uns, mit dem wir vorher einige wenige Worte gewechselt hatten. Aus dem Nichts fragt er uns nach unserer Buchung und erklaert, dass unser Gepaeck durchgereicht wird. Er bittet um unsere Gepaeckaufkleber, prueft, und nickt. Dann muss er weg, hat irgendwo irgendetwas „in der Stadt“ zu erledigen. Wir blicken uns an, schon gar nicht mehr erstaunt. Anstatt stundenlang am Gepaeckband zu warten und die Leute am „Lost and Found“-Schalter zu terrorisieren, spielen wir noch entspannt Tischkicker in der „Fanzone“ gegen Brasilianer. Beim Stand von 7:0 stoehnten sie kurz auf. Erinnerungen kommen hoch.
Warum wir beim Flug nach Frankfurt dann auch noch automatisch upgegradet wurden, wissen wir auch nicht. Wenn es laeuft, dann laeuft´s eben.

Noch fuehlen wir uns immer als Fremdkoerper, als wuerden wir die Heimat von einer anderen aus Ebene betrachten. Tatsaechlich faellt es noch schwer, Papier in die Kloschuessel zu werfen. Wir muessen schmunzeln, wenn sich jemand beschwert, weil der Nachbar Rasen maeht – in vielen Gegenden auf unserer Reise waere dass eines der friedlichsten Geraeusche gewesen, die wir uns vorstellen konnten. Schliesslich muss auch erst einmal Rasen da sein, den man maehen kann.
Mal sehen, ob wir uns demnaechst wieder voellig eingegliedert haben, oder ob Road2Rio langfristig seine Spuren hinterlassen hat. Hoffentlich.

Die Soziologen sagen, dass es unmoeglich ist, ausserhalb des eigenen kleinen Universums zu denken, zumindest die Systemtheoretiker. Dass hiesse, dass alle Eindruecke und Erfahrungen der Reise irgendwann fuer das Erfassen unserer Umwelt in Deutschland keine Rolle mehr spielen wuerden. Aber haetten wir immer auf die Leute gehoert, die sagten, was alles unmoeglich sei und was nicht funktioniert – wir waeren nie losgefahren. Fakt ist: Alles ist moeglich. Immer. Wir werden das Erlebte niemals vergessen, wir hatten die beste Zeit unseres bisherigen Lebens. Wir sind sehr dankbar fuer alles, was wir erleben durften, auch wenn wir nicht sicher sind, bei wem genau wir uns bedanken muessen, wer da die Strippen im Hintergrund gezogen hat.

Auf jeden Fall bedanken wir uns hier nochmals an alle Unterstuetzer, Spender, „Mutzusprecher“ und „offenen Ohren“, als wir so unsere Problemchen hatten. DANKESCHOEN!!

Die grosse Frage ist nun: Was jetzt?  Wir wissen es auch nicht. Wir geniessen zur Zeit den Luxus des normalen Lebens, die Kleinigkeiten und Annehmlichkeiten. Wir werden nach einer Weile vermutlich wieder das ganz normale Leben fuehren. Was das Herz fuer eine Meinung zu dem Ganzen haben wird, wird sich zeigen. Vor allem, wenn man morgens, auf dem Weg ins Buero, im serioesen Anzug an Sami vorbei watschelt, Pinguin-Style. Der dasteht, mit seinen grossen Augen, und einem zuzuwinkern scheint: „Lust auf einen Trip?“. Recht hat er ja. Ein paar Klamotten rein, ein paar Anrufe, den Reisepass holen, die Kuehltruhe anstellen… und schon koennte es losgehen. Der Rest ergibt sich unterwegs. Es ist tatsaechlich so einfach. Tja, schaun mer mal…Muenchen – Hongkong klingt doch nach einem Abenteuer, oder? 😉

Liebe Freunde von Road2Rio, vielen vielen Dank, dass ihr uns die letzten 14 Monate gefolgt seid! Es tat gut zu wissen, dass unser Trip so viele Menschen interessiert, vor allem wenn man sich irgendwo am Arsch der Welt rumtreibt und sich etwas verloren fuehlt.

Jetzt bleibt bitte noch etwas bei uns, es folgen noch einige AEUSSERST interessante Medienauftritte im Fernsehen von uns – stay tuned! 🙂

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English version:

We´re home since exactly two weeks now, still our heads and thoughts are somewhere else. Why (and how) could it be different, after all what happened in that special night in Rio de Janeiro:

Well, we won´t write an essay about the final here, everbody has seen the match, absorbed the pictures, every single one of us wrote his own world cup history.
It definitely has been by far the most intense, the most nerve-racking and the most exhausting football match we´ve ever seen and we will probably will see. We have been woken up by Argentinians cheering on the streets at 6am, but we couldn´t sleep anyways. Just the way to the playground, the legendary Maracana Stadium, was a mixture of goose skin and nervousness. It was hot, huge crouds of fans, police, over all throned the Redeemer…but still quite a amicable athmosphere. The day of the world cup final! The day we´ve been dreaming of since years, quasi daily on our trip. We are here, it really happens, right now. It was so unreal.

We tried to tell ourselves that we should be happy just to be able to be live in the stadium. That it all worked out with the tickets. That we are allowed to enjoy a world cup final, independently from the result. We couldn´t. A defeat is unthinkable, it just must not be! In every second we would recap our trip there would always be this pain of defeat. A red line which sneaks into every memories, a bitter aftertaste, a grey curtain on every of our photos which you cannot photoshop even with the best picture editing tools.
But luckily, luckily history should take a different course at that day.

From our seats we could spot the grandstands on the other side, with those empty blue steps in the center where the award ceremony would take place. We saw that, and we daydreamed how our team could celebrate the title over there. How Philipp Lahm, our captain, would raise the trophy in front of team into the night sky of Rio. Today! It could come true here and today.
But for us, it somehow was about more: We wanted this lifelong dream to becomes true. It was also about the proof that you can influence your fate, that everything is possible. That only from a dream and a strong will (and three years ago we didn´t have more than that) something big can result, which few people thought it was possible.

And it came true. All that incredible tension from the past weeks and months exploded in that 113. minute, and at the final whistle, of course. We cannot describe those feelings in these moments. Beer cups were flying, the Germans one big ball of emotions with us in the middle, embracing each other, crying, with the knowledge that it just became true. Inconceivable.
A truly magical night at the Copacabana and in Lapa followed, all Germans celebrated so happily and jolly, as if it was the last day. Nobody could really believe that we´re really celebrating the winnings of the world cup 2014 right now. Hundreds of people lay in each others arms, swaying „So ein Taaag…“ („What a daaaay…“) …both Brazilians and Argnetinians haven´t seen that before. And we didn´t either.

All these thoughts and memories are still present in our heads. The other day we have been dining in Botafogo,the last supper, today we are back home in Stuttgart and Munich.

The „resocialization“ back home takes pretty different courses for us. We give a small world cup party in the park in Stuttgart, Clemens moves into a new appartement with his girlfriend. This strong cut for sure helps to relax the mind. Richard is till hiding in his old beloved appartement in Munich, enjoys the time on his own and meets the first friends after a while.
At first of August Richards headed off to the office, for the first time after 15 months…we are excited if he fits into thight business shoes after fifteen months of wearing flip-flops. This is also a good metaphor fo what is waiting for us in the upcoming months.
And it really feels like other longtime-traveller describe it – you marvel at everyhting when you come home after that long time in North- Central- and South America. We feel kindof displaced, melancholic, but also deeply happy and satisfied. We made it. It all happened how we wanted it to happen. We can remember almost every station of our trip pretty well. And after all what happened it is difficult for us to believe that it all was just simple coincidences.

By the way, an „Old Man“ visited us again, for the last time. Our flight back had a stopover in Recife, both flight segments have been executed with different airlines. For us it was just logical that we had to fetch our luggage and check it in again. While waiting at the baggage claim an elder man approached us with whom we spoke only a few words before. Out of the blue he asks about our bookings and explains that our luggage is checked through. He asks for our receipts, checks and nodds. Then he has to move on, „some business in the city center“, and he vanishes. We look at each other, not even astonished anymore. Instead of waiting at the baggage claim forever and terrorizing the guys at the „lost and found“ counter we play some foosball in the airport´s fan zone against some Brazilians. At the score of 7:0 they moaned a bit. Memories came back.
We don´t know why we got an automatic upgrade on the flight to Frankfurt. When it goes, then it goes.

We still feel like aliens, as if we watch our homes from a different layer above. Indeed it still feels weird to throw toilet paper into the toilet. We have to smile when people complain about the neighbour who dares to mow the lawn on a friday afternoon – in many parts of the world we have been on the trip this would be the most peaceful sound we could aimagine.
Let´s see in we are fully re-integrated .in a while, or if Road2Rio left its permanent traces in our minds. Hopefully.

The sociologists say that it is impossible to think out of your little universe, at least the system theorists do. According to them all the experiences from Road2Rio wouldn´t have an effect on how we see our world back home in Germany, at least not on the long run. But if we would have listened to all that people who claimed that something is impossible – we wouldn´t have even started the trip. In fact, everything is possible. Always.

We will never forget what we experienced, we´ve had the best time of our lifes so far. We are so thankful for everything, though we are not sure who we have to thank. We are not sure who pulled the straps in the background, but someone did, we are pretty sure about that.

Anyways, we thank all the followers, supporters, contributors, „encouragors“ and „open ears“ when we had our little problems. THANK YOU GUYS SO MUCH!!

The big question is: What now? We don´t know either. Currently we´re enjoying the luxury of a regular life, the small things and amenities. After a while we most probably live a very normal life again. Let´s see what our hearts think about that ;-). Especially when Sami is waiting in front of the house door, when you see him on the way to the office, dressed like a penguin, when he seems to wink at you like „Are you up for a ride, old friend?“. And he is right. Grab some clothes, get the passport, switch on the fridge in the car, do some calls…and we could start again. The rest comes on the road. Indeed, it is that simple. Really. Well, let´s see…Munich – HongKong sounds like an adventure, right? 🙂

Dear friends of Road2Rio, thank you for following us during the last 14 months! It felt good that someone cares when you are in the middle of nowhere and feel a bit lost!

Now please stay with us, there are some REALLY interesting upcoming things in German TV with us – stay tuned! 🙂

einsortiert unter: DIE WELTMEISTERSCHAFT, am 13. Juli 2014

Getting ready for THE MATCH! In 1 hour we will head to the stadium…we´re preparing the Road2Rio flag…everything…and meanwhile the ¨Pokal¨will wait for us in the hotel room…see you later old friend…

COME OOOOOOOOOOOOOOOON! Let us write history!!

Grossvater nervt schon wieder / Granpa is annoying again

einsortiert unter: DIE WELTMEISTERSCHAFT, am 10. Juli 2014

„Opa, ich kann nicht raus gehen, es regnet schon wieder!“ – „Pff, Junge, damals, in Rio, 2014, da hat es auch in Stroemen geregnet, als wir Brasilien 7:1 geschlagen haben. Und ich war den ganzen Tag draussen auf dem Fan Fest.“ – „Opa, ich weiss, und das war bestimmt ganz toll, aber…“ – „Setz Dich mal hin, Junge, ich erzaehl Dir mal, wie das damals ueberhaupt alles war.“ – „Neein, bitte, ich kenn die Geschichte doch…“ – „Irgendwo hier muesste doch das Road2Rio Fotoalbum sein, wollen doch mal sehen…“ – „Opa, bitte nicht…“ – „Aaah, da ist es ja, gleich hinter den Zeitungsberichten wars. Also, wir sind damals mit dem Auto hingefahren. Begreifst Du ueberhaupt, was das heisst, Junge?“ – „Ja ich WEISS. Und ja, das war ein ganz tolles Auto, und es hiess Sami, und es hatte nicht den ganzen technischen SchnickSchnack wie die Dinger heute, das hast Du alles schon so oft…“ – „Sssch, jetzt halt mal den Rand und lerne fuers Leben. Hol´ uns mal zwei Bier und dann erzaehl ich Dir alles.“ – „Ich bin erst 12, Opa!“ – „Mmh, na gut. Also, angefangen hat alles in Baltimore…achwas, eigentlich noch viel frueher.“ – „Neeeeeeeeeiiin!“ – „Was hast Du denn? Ah, ich verstehe, Du moechtest gleich die Wiederholung von dem legendaeren Finalspiel sehen, als Dein Opa live im Maracana-Stadion dabei war. Dann schaun wir mal…“ – „Opa, das is so alt, und nichmal in 3D, bitte, darf gehen?“ – „3D?? Wovon zur Hoelle redest Du?? Jetzt pack mal Dein komisches technisches Spielzeug da weg. So. Schau hier, da haben wir in der Wueste gecampt. Hast Du schonmal gecampt? Hast Du ueberhaupt schonmal Holz gehackt? Zeig mal deine Haende her! Mann, weich wie Kaese. Junge, Junge…aber angeln kannst du, oder? Was treibst Du mit Deinen Streuner-Freunden eigentlich den ganzen Tag?“ – „Maaaaaamaaaaa Opa faengt schon wieder mit dieser Reise aaaaaaaan…“

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English version:

„Granpa, I cannot go out, it is raining again!“ – „Pff, boy, back then in Rio, 2014, it was raining cats and dogs when we beat Brazil 7:1. And I was out all day on the Fan Fest!“ – „Granpa, I know, and for sure that was really cool, but…“ – „Sit down, my son, I tell you how that was in that time.“ – „Noo, please, I do know that story…“ – „Mmmh, let me see, the Road2Rio picture book must be somewhere here…“ – „Granpa, please don´t…“ – „Aaah ja, right behind the newspaper articles. Alright. Did you know that we drove all the way to Brazil? Do you understand at all what that means, boy?“ – „Yes i KNOW. And it was a really cool car, and its name was Sami, and it didn´t have all that technical gadgets like the new things today, you told me that so many tim…“ – „Sssch, now shut up and go and grab us two beers and I will tell you the whole story, what do you think?“ – „I am only 12 years old, Granpa!“ – „Mh, alright. Well, it all started in Baltimore…ha, actually way earlier.“ – „Noooooo!“ – „What´s up? Ah, I see, you want to see the replay of that legendary final match, where your Grandfather has been live in the legendary Maracana Stadium. Okay, let´s see…“ – „Opa, this is so old, and not even in 3D, please, can I go?“ – 3D?? What the bloody hell are you talking about? Now pack your stupid technical toy away there. So. Look, here, there we camped in the desert. Did you camp at all yet? Have you at least bever cut firewood yet? Show me your hands! Man, soft as cheese. Oh boy, but you know how to fish, right? What the hell are you doing all day long with your estray friends?“ – „Mooooooom HELP!! Granpa´s starting again with this old story about that triiiiiiiiiiiiip!