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Gold im Blick / Golden Eyes

einsortiert unter: Hello Canada!, am 29. Juli 2013

All diese Männer auf den alten Photografien…mit ungepflegten, langen Bärten und lederner Haut, zerlumpten Fetzen an den ausgemergelten Körpern…sie könnten unterschiedlicher nicht sein, kommen sie doch aus allen Teilen dieser Welt. Und doch vereint sie alle derselbe Blick: stechende, durchdringende Augen voller Wille und Tatendrang. Beseelt sind sie, von einem Mythos, der unendlichen Reichtum verspricht. Yukon! Klondike! Gold! Wenn die schwarz-weißen Abbildungen es könnten, würde man wohl eine goldfarbene Corona um die Pupillen eines jeden von ihnen sehen können. Haben wir mittlerweile den gleichen süchtigen Blick wie diese Leute? Wie sehr ähneln wir mittlerweile diesen arbeitslosen Zimmermännern, Bauern, Köchen und Prostituierten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Zehntausenden den unendlich beschwerlichen Weg auf sich nahmen, voller Hoffnung, ihr altes Leben hinter sich lassend, um in das sagenumwobene Dawson City zu gelangen?

Warum zieht es uns hierher? Trotz der kanadischen Bierpreise, die so schwindelerregend hoch sind wie der „White Pass“ und der „Chilkoot Trail“, den die Goldsucher von damals mit Gepäck für ein ganzes Jahr zu Fuß bezwingen mussten. Trotz der Grizzlies, die uns überall begegnen, und ungeachtet der traurigen Fangquote von null Fischen, seitdem wir das Yukon Territory vor 6 Tagen betreten haben.
Was suchen wir in Dawson, in dieser gottverlassenen Ansammlung von Holzhütten, die damals nur im selbst zusammengezimmerten Kahn oder mit einem Schaufelraddampfer zu erreichen war und heute am Ende des einsamen Klondike Highway liegt? Die Straßen sind wegen des Permafrostbodens bis heute ungeteert, und es leben derzeit nicht einmal zweitausend Menschen hier. Als Antwort genügt ein sinngemäßes Zitat von Udo Jürgens und unserer Deutschen Nationalmannschaft von 1990, die gemeinsam die Strophe „…auf dem Weg in das Glück, das Italien verspricht“ trällerte.

Wir sind nun noch nördlicher als Whitehorse, und nachts wird es schon lange nicht mehr dunkel. Das Schlafen fällt schwer, wenn durch jede Ritze des Zeltes Tageslicht eindringt. Aber wie könnte man auch schlafen, wenn unter jedem Stein und in jeder Kiesgrube der Reichtum in Form dieses unvergleichlichen Edelmetalles warten könnte?
Wir reden uns ein, dass wir nur für das deutsche Team Gold finden möchten, als Glücksbringer für die WM. Doch ist das nicht nur eine ekelhafte Lüge, die wir uns selbst erzählen? Hat uns nicht schon längst dieser unvergleichliche Schein der Goldnuggets geblendet und versklavt?

Wir haben eine Pfanne zum Goldwaschen geschenkt bekommen. „Ihr werdet es sehen, wenn es am Boden der Pfanne schimmert, glaubt mir!“ hat uns ein anderer, schürfender Reisender geweissagt. Der Auftakt einer Glückssträhne!? Soll es unsere Bestimmung sein, hier unser Glück zu finden? Natürlich gab es Hunderttausende vor uns, die gescheitert sind. Aber wir sind anders!

Glück, Verheißung, Reichtum…wird Dawson City sein Versprechen halten können?

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english version:

All these men on the old photografies…with their unkempt long beards and their leather-like skin, wearing worn-out rags on their skinny bodies…they could not be more diverse as they come from places all over the world. Despite, there is the wy they look that they all have in common: piercing eyes full of willpower. They are all obsessed by a myth which promises unlimited fortune. Yukon! Klondike! Gold! If the black-white photos could picture it you could probably see a golden corona around their pupils. Do we have that same addicted glance now as these people had? How much do we have in common yet with all the workless carpenters, farmers, chefs and prostitutes who started their incredibly tough journey to the mystic Dawson City at the beginning of this century? What is dragging us to this place?

Despite the canadian beer prices which are as high as the “White Pass” and the “Chilkoot Trail” which had to be conquered by the goldseekers, loaded with luggage for an entire year. Despite all the Grizzlies we encounter all over the place, and despite the sad quota of zero caught fish since we entered the Yukon Territory six days ago. What are we looking for in Dawson, this compilation of wooden houses, which could only be accessed by Sternwheeler in that days and which today lays at the ende of the lownsome, endless Yukon Highway? Since today the citie’s streets are unpaved due to the permafrost, and not even twothousand people are living here.
As an answer will do a quote of Udo Juergens and the German National Team of 1990, who togehter sang the strophe “…on the way to success Italy promises”.

We now are even more northern than we’ve been in Whitehorse, and since long time it doesn’t get dark at night any more. To fall asleep is difficult when daylight shines through every chink of our tent. But who wants to sleep when under every stone and in every gravel pit wealth in form of this incomparable metal could wait for you?

We say to each other that we just seek for gold for our National Team, as a talisman for the world cup. But isn’t this just a disgusting lie we want to believe? Does the shine of gold nuggets not has blinded and slaved us already?

We have been given a gold pan. Just the beginning of a run? Should it be our faith to find success here at this place? Of course there were thousands before us who failed. But we are not like them!

Luck, wealth, success…will Dawson City be able to keep its promise?

 

 

 

Reisegedanken / travel thoughts

einsortiert unter: Hello Canada!, am 20. Juli 2013

Wir sind nun über 9 Wochen auf der Straße. Aber um das sagen zu können, müssen wir schon etwas länger nachrechnen, denn Wochentage, ja die Zeit selbst hat völlig an Bedeutung verloren. Würde es den einzigen Fixpunkt, unser wöchentliches Radiointerview mit Steven von Radio107,7, nicht geben, würden wir wohl auch das letzte bisschen Zeitgefühl verlieren.

Unsere anfängliche Euphorie, dass es nach all der Planung nun tatsächlich begonnen hat, das man unglaublicherweise gerade wirklich mit dem eigenen Auto diese ewige Reise auf einem fremden Kontinent in Angriff nimmt, ist einer tiefen inneren Ausgeglichenheit gewichen. Es fühlt sich an, als hätte das Leben die Handbremse bis zum Anschlag angezogen.

Nach den endlosen Etappen durch die Steppen des Mittleren Westens haben wir nun in Kanada auch die Reisegeschwindigkeit heruntergeschraubt. 30 bis 100 Kilometer pro Tag sind das Maximum, das wir uns derzeit zumuten.

Wir lassen uns treiben. Wenn ein Einheimischer uns einen schönen See empfiehlt, dann fahren wir hin und bleiben, solange wir Lust haben. Wenn ein Gebirgspass besonders interessant zu sein scheint, dann befahren wir ihn (soweit wir kommen). Und es klingt wie ein Klischee, aber das Beste ist, was man entlang des Weges entdeckt. Sowieso zeigt sich, dass das Beste im Leben kostenlos ist – vor allem wenn es von Mutter Natur kommt. Wenn aus den frühmorgendlichen Nebelschwaden über dem spiegelglatten See eine Otterfamilie neben unserem Paddelboot auftaucht, Mitstreiter auf der Jagd nach einem Frühstück, dann kann man diesen Frieden kaum fassen. Der Schwarzbär, der vor uns über die Straße läuft, der Hirsch, der ohne Scheu zu unserem Stellplatz gelaufen kommt…manchmal fühlen wir uns wie in einer Fabelwelt. Nur sprechen tun die Wildtiere mit uns (noch) nicht.

Generell sind unsere kleinen Freuden die, die man aus der deutschen Überflussgesellschaft gar nicht mehr kennt. Der einfache Campingplatz, der wider Erwarten nagelneue Duschen hat. Guter Käse ist nur durch Zufall zu finden, und umso größer ist die Begeisterung, wenn sich der billige kanadische Whiskey als durchaus komplex herausstellt.

Da wir mit niedrigem Budget reisen, bekommt das geschenkte leckere Hähnchen vom Campingnachbarn so einen viel höheren Stellenwert. Die Frau an der Kasse, die uns einen anderen Schinken empfiehlt, bei dem es zwei Packen zum Preis von einem gibt. Der 30er-Pack Coors Bier im Superspar-Angebot. Die geschenkte Stunde Motorboot vom Schweizer Campingplatzbesitzer.

Unser Ausbau funktioniert soweit genauso so tadellos wie das Team. So wie die Wellblechpiste den Schraubverbindungen des Innenausbaus noch nicht zuzusetzen scheint, so können uns auch kleinere Differenzen („Musst Du mich unbedingt mit Tomatensoße bewerfen?“) nicht längerfristig belasten.

Der natürliche Verschleiß unserer Ausrüstung ist jedoch erstaunlich. Der hölzerne Kochlöffel ist im feuchten Klima der Bordküche bereits nach wenigen Tagen verschimmelt. Zwei Teller hat Richard kurz hinter Miami zerbrochen. Die Griffe des großen Topfes sind geschmolzen. Das Dachzelt muss wieder genäht werden, der gerostete Wagenheber nachgefettet und eine Hose muss geflickt werden. Die Trittstufe am Heck ist abgefallen und musste repariert werden, und hoffentlich reißen die zwei Steinschläge in der Frontscheibe nicht weiter ein.

Aber natürlich können wir uns keineswegs beklagen. Bis auf die gerissene Dieselleitung gleich zu Beginn haben wir bis jetzt einen Lauf. Wir können nur hoffen, dass unsere Strähne noch etwas hält, denn schließlich haben wir noch nicht einmal 20% unserer Reise hinter uns, und auf den verbleibenden 30.000 Kilometern warten noch mindestens 15 Länder auf unseren Besuch. Nun ja, so weit können wir eh bei Weitem noch nicht denken. Der nächste Meilenstein ist vorerst Anchorage, Alaska. Auch nicht ganz verkehrt. 🙂

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 english version:

We are on the road for more than 9 weeks now. But to be able to say that we have to think for a good while. Week days, well even time itsself lost its meaning. If there wouldn’t be our single fix point, the weekly interview with radio station “Radio107,7”, we guess we’d lose even our last bit of sense of time.

The feeling at the very beginning, after ages of planning and preparing, that this endless trip has finally been started, that we unbelievably are really on the road with our own rig on an unknown continent, this euphoria has yielded to a deep inner balance. It feels as if live has put on the hand brake.

After endless driving through the midwestern deserts of the States we now dimmed our travel speed. 20 to 80 miles a day is the maximum we expect of us these days.

We are drifting. When a local recommends a nice lake, then we visit it and stay as long as we want. When a mountain pass seems to be interesting, then we take it (as far as we get). And it sounds like a clichee to stay that, but the coolest things are along the way. Again we realize that best things in live are for free – especially given by Mother Nature. If an otter family breaches through the very even and smoky surface of the lake in the early morning, right next to our paddle boat, fellow combatants on the hunt for a breakfast, then this deep peace is almost unbelievable. The black bear which crosses the street in front of us, the deer which approaches our site without any fear…sometimes we feel like in a fairytale (the animals do not speak to us yet, though).

In general our small pleasures are the ones you forget about in the german affluent society. The primitive campground which provides brand new showers, against any expectations. Good cheese is only to find by accident, and our enthusiam is unbeaten when the cheap canadian whiskey turns out to be well-complex and delicious.

As we travel low-budget the marinated chicken we receive as a gift from fellow campers gets a totally different value. The lady at the register who recommends a different bacon which is currently for “buy-one-get-one-free”. The super-sale offer of 30 cans of coors beer. The uncharged hour for the motor boat because the campground hosts likes us.

Our car and all the extensions work as impeccable as the team itsself. Just like the washboard roads cannot afflict the screw fittings of our self-built interior, so little misunderstandings do not last long (“Do you really have to throw tomato sauce at me?”).

The natural erosion of our equipment is surprising, though. The wooden spoon rottened just after few days in the humid climate of our “citchen”. Richard broke two dishes close behind Miami, and today the third one. The handles of the big pot melted. The roof tent has to be sewed again, the Hi-Lift Jack has to be lubricated and a pant has to be repaired. The tread at the rear fell off and had to be attached again, and hopefully the two chips in the windshield don’t crack further.

But of course we cannot and should not complain. Apart from the cracked diesel rejection line we are on a roll. We just hope that our lucky streak will last for a while, because after all we did not even cover 20% of our journey. And on the remaining 20.000 miles there are at least 15 different countries watiting for our visit. But well, right now we cannot think that far, anyways. The next big milestone for now will be Anchorage, Alaska. Not too bad either, ey? 🙂