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Die Überfahrt! / The Crossing!

einsortiert unter: Die Überfahrt - Hello Südamerika!, am 13. Januar 2014

Unglaublich. In Costa Rica erreicht uns eine fremde Email, weil unser Auto in San José gesichtet wurde. Dieser Unbekannte empfiehlt uns Kanadiern weiter, die einen Container teilen nach Kolumbien wollen. Einfach so, aus dem Nichts. Es stellt sich am Ende heraus, dass auch die Kanadier diese mysteriöse Person nicht kennen, und uns würde es nicht wundern, wenn da ein Alter Mann wieder einmal im Hintergrund die Fäden gezogen hat :-).

Seit 30h liegt die nur 38 Fuß lange Maluko nun hart im Wind. Eine Nusschale angesichts des nicht enden wollenden riesigen Ozeans. So weit das Auge sehen kann, reichen sich verschiedene Blautöne die Hand. Die 5 ‚pasajeros’ schlafen die meiste Zeit, oder versuchen es zumindest. Doch es fällt schwer, sich bei 30° Neigungswinkel im Bett zu halten. Trinken und der anschließende Toilettenbesuch sind zu kräfteraubend. Dass wir aus Übermut die Seekrankheitstabletten abgesetzt haben, trägt dazu bei, jedes unnötige Aufstehen zu vermeiden. Also warten wir und vegetieren tagelang in unserer Kajüte vor uns hin, allein mit unseren Gedanken…
Wir denken zurück an die letzte Woche. Seit Tagen sind waren wieder einmal am Stück unterwegs nach Panama City, um diese ominösen Kanadier zu treffen. Gibt es sie wirklich? Gleichzeitig mussten Tausende an Unterlagen und Genehmigungen sowie schnell ein Segeltörn organisiert werden. Chaos, und wir setzen alles auf eine Karte. Doch nach 2 Tagen Papierkrieg stellen wir Sami tatsächlich im Hafen ab und geben einem Arbeiter schweren Herzens die Schlüssel. Geht das gut? Kommen wir selbst auch heil rüber?

Nachdem unser erstes Segelboot aufgrund eines Motorschadens ausfiel, wir auf dem Ausweichboot aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht auf der Passagierliste standen, nahm uns dank der Bemühungen einer netten Kolumbianerin doch noch ein Boot an Board. Die Maluko.

Nun sitzen wir in unserer kleinen Kabine, die zusätzlich durch die Wärme und das Rattern des daneben liegenden Motors aufgeheizt wird, und halten die Enge nicht mehr aus. Wir schälen uns aus der gemeinsamen Koje, kriechen an Deck und lauschen dem Wind. Schauen begeistert, aber auch etwas abwesend dem atemberaubenden Wellenspiel zu. 4 Meter hohe Wellenberge rollen in regelmäßigen Abständen auf unser Boot zu und schütteln es durch. Die Angst, dass das Boot umkippen könnte, lässt uns Landratten nie wirklich los.

So weit weg von zu Hause fühlen wir uns selten. Die Gedanken an die Familie, die Liebsten, die Freunde hängen schwer in unseren Gemütern. Wir wollen ihren und unseren Wunsch erfüllen und alles heil überstehen, aber wie so oft liegt es nicht in unserer Hand. Die Blicke schweifen in die Ferne. Es wird kaum ein Wort unter den Reisenden gewechselt. Die Verschiffung hat wieder ein riesiges Loch in  unser Budget gefressen. Das Rückflugticket wurde ebenfalls gebucht. Am 15. Juli heisst es, in Rio de Janeiro in ein Flugzeug zu steigen, und zwar mit einem goldenen Pokal im Handgepäck. Das Restbudget ist daher mehr als  überschaubar. Können wir es so überhaupt schaffen?  Diese existentiellen Zweifel will niemand ansprechen.

Stille Begleiter des Bootes sind Delphine und immer wieder fliegende Fische. Doch auf einmal lenkt ein weiteres Lebewesen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein Vogel, der über die Wellenkämme segelt! Festland!? Die Hoffnung auf baldige Anlandung haucht uns neues Leben ein. Am Horizont taucht ein Frachtschiff auf. Sami, bist du dort neben uns? Ergeht es dir gut? Wurdest du von Hafenmitarbeitern und sonstigen Gaunern schlecht behandelt oder gar ausgeräumt? Wir können nichts als abwarten und hoffen.

Die Ehefrau des Kapitäns stöhnt, dass dies einer ihrer schlimmsten Überfahrten sei. Doch dann beruhigt sich der Wellengang, der Wind flaut zu einer angenehmen Brise ab. Und aus dem Nichts taucht in der milden Nacht die Skyline von Cartagena auf. Wie Piraten, die diese Stadt Jahrhunderte lang plagten, schleichen wir uns nachts leise auf dem Ablegerboot ans Ufer. Geschafft! Wir betreten den Kontinent, in dem die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 stattfinden wird. Nur zwei der Länder, die noch vor uns liegen, nehmen nicht an der WM teil. Wir nehmen Witterung auf. Sind wieder gierig. Es muss gelingen! Drei anstrengende Tage und eine Million Genehmigungen später fahren wir mit Sami endlich vom Hafengelände. Auch bei Hugo und Elsa, den Kanadiern, hat die Verschiffung funktioniert. Sehr gut!

Am Ende war die Verschiffung ein einziger Glücksritt. Der Husarenritt wird weitergehen und am Ende soll der Titel stehen! Wie sagt man so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Eine weitere Schlacht ist geschlagen, aber es ist noch ein langer Weg, bis wir den Pokal der Pokale unser aller Eigen nennen können. Am 13. Juli 2014!

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english version:

Unbelievable. In Costa Rica an email reaches us, sent by an unknown person. We have been spotted in San José and this person recommends a Canadian couple, in case we want to share a shipment to Colombia. Out of nothing. In the end we learn that also the Canadians do not know the strange sender and we wouldn’t wonder if an Old Man again pulled the strings in the background :-).

Since 30 hours the 38-feet long Maluko fights hard against the wind. A nutshell in consideration of this endless ocean. Hundred shades of blue as far as you can see.  The five ‘pasajeros’ pretty much sleep most of the time, or try at least. But this is difficult with 30° inclination. Drinking and the restroom visit is exhausting. It doesn’t help that we stopped the sea-sickness pills out of cockiness. So we wait and vegetate for days, alone with our thoughts…
We think back of the past week. Since days we have been on the road again to make it to Panama City in time, to meet the dubious Canadians? Do they really exist? At the same time thousands of papers have to be gathered, plus a sailing trip must be organized. Chaos, and we “bet all on one card”. But two days of “paper war” we indeed deliver Sami at the port in Colón, and hand over the keys to a port worker with a heavy heart. Will all this work out? Beside Sami, will we make it to Colombia by ourselves?

After our booked sailboat has to stay in port due to engine problems, and for some reasons we are not on the passenger list of the replacement. But thanks to the efforts of a nice Colombiana we end up on deck of a boat – the Maluko.
And so we sit in our small cabin which is heated up by the engine and cannot stand the narrowness. We wind out the cabin, crouch to deck and listen to the wind. We watch excited the breathtaking waves, though a little absent. 4 meter high mountains roll regularly towards ous and shake the boat. We landlubbers never lose the fear that the Maluko could overturn.

 We rarely felt further far from home. Heavy thoughts about our family, friends and our beloved hang in our minds. We want to make their and our dream come true and survive all this safely, but one more time it is not in our hands. The shipment again ate a big part of our budget. The flight back home has been booked, too. At 15th of July we will enter a plane in Rio, with a golden trophy in our hand luggage. So the remaining amount of money is more than ‘pequeno’. Can we make it at all? Nobody wants to talk about these existential doubts.

We have silent company by dolphins and, from time to time, flying fish. But suddenly another animal raises our attention. A bird, sailing over the sea. Mainland!? The hope of a soon landing gives new power. A container ship appears at the horizon. Sami, are you in there? Are you doing well? Did the workers and other crooks treat you well? We can only sit and wait.
The captain’s wive groans that this was her worst crossing. But than waves get smaller, and the wind turns into a moderate breeze. And then, out of the darkness, the skyline of Cartagena appears. Like pirates, who tantalized this city for centuries, we sneak on land in the middle of the night. Done! We enter the continent on which the World Cup 2014 will take place! Only two countries we will cross do not participate. We are on the scent again. Are hungry again. We must make it! Three exhausting days and one million permits later we drive Sami off the port area in Cartagena. Also for Hugo and Elsa, the two Canadians, the shipment worked out. Very good!

In the end this entire crossing was an incredible strike of luck. This crazy ride will go on and in the end there will be the title!