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Mission completed.

einsortiert unter: DIE WELTMEISTERSCHAFT, am 3. August 2014

Seit genau zwei Wochen sind wir wieder in heimischen Gefilden, auch wenn wir im Kopf ueberhaupt noch nicht angekommen sind. Wie (und warum) sollte man auch, nach allem, was sich in dieser magischen Nacht in Rio de Janeiro ereignet hat:

Wir werden jetzt keine Abhandlung des Finalspieles schreiben, denn jeder hat das Spiel gesehen, die Bilder aufgesaugt, jeder von uns hat seine eigene Weltmeister-Geschichte geschrieben. Es war jedenfalls mit sehr grossem Abstand das intensivste, nervenaufreibendste und anstrengendste Spiel, das wir jemals in einem Stadion gesehen haben und vermutlich sehen werden. Wir wurden bereits um 6 Uhr morgens von Argentiniern auf der Strasse geweckt, aber schlafen konnten wir sowieso nicht. Allein der Weg ins Stadion, in das legendaere Maracana, war eine Mischung aus Gaensehaut und Nervositaet. Es war heiss, Menschenmengen, Polizei, ueber allem thront die Christusstatue… aber doch freundschaftliche Stimmung – Finaltag der Weltmeisterschaft! Der Tag, von dem wir jahrelang getraeumt haben, quasi taeglich waehrend der Reise . Wir sind tatsaechlich hier, es passiert alles wirklich. Es ist alles so irreal.

Wir versuchten uns einzureden, doch froh zu sein, allein schon im Stadion dabei sein zu duerfen. Dass es mit den Tickets geklappt hat. Ein WM-Finale geniessen zu duerfen, mal ganz unabhaengig vom Ausgang. Es ging nicht. Ein Verlieren ist undenkbar, es darf nicht sein! In jeder Sekunde, die wir in Zukunft rueckblickend an die Reise gedacht haetten, waere immer dieser Schmerz der Niederlage da gewesen. Eine rote Linie, die sich in alle Erinnerungen schleicht, ein fader Beigeschmack, ein grauer Vorhang ueber den Erinnerungsfotos, den man auch mit dem besten Bearbeitungsprogramm nicht retouchieren kann.
Doch zum Glueck, zum Glueck sollte die Geschichte an diesem Tag anders verlaufen.

Von unseren Plaetzen aus konnten wir die Haupttribuene sehen, und man traeumt, wie dort drueben, auf diesen leeren blauen Stufen, unsere Mannschaft moeglicherweise den groessten Triumph feiern koennte. Heute! Wie Philipp Lahm vor der Mannschaft den Pokal in die Hoehe reissen wuerde, Feuerwerk und Konfetti im Hintergrund. Hier und heute koennte es wahr werden. Irgendwie ging es uns auch um mehr: Wir wollten natuerlich, dass unser Traum wahr wird. Es ging auch ein wenig um den Beweis, dass man das Schicksal beeinflussen kann, dass alles moeglich ist! Dass allein aus einem Traum und festem Glauben (und vor 3 Jahren hatten wir nur das) etwas Grosses entstehen kann, was wenige fuer moeglich gehalten hatten.
Und es wurde wahr. All diese furchtbare Anspannung der letzten Wochen und Monaten entlud sich in der 113. Spielminute, und natuerlich nach Abpfiff. Wir koennen dieses Gefuehl nicht beschreiben. Bierbecher flogen, der deutsche Block ein einziger Knaeuel, mitten drin wir, in den Armen, weinend wie Schlosshunde, mit dem Wissen, dass es wirklich gerade eben wahr geworden ist. Unfassbar.

Es folgte eine magische Nacht an der Copacabana und in Lapa, alle deutschen Fans feiern ausgelassen, koennen kaum glauben, dass man gerade tatsaechlich den WM-Sieg bejubelt. Hunderte Menschen liegen sich in den Armen und schunkeln gemeinsam, „So ein Taaag…“ … das haben Brasilianer und Argentnier noch nicht gesehen. Und wir auch nicht.
All diese Gedanken haengen immernoch nach. Gerade eben waren wir noch in Botafogo essen, das letzte Abendmahl, heute schon sind wir in Stuttgart und Muenchen.

Die „Resozialisierung“ verlaeuft bei uns ziemlich unterschiedlich. Wir schmeissen eine kleine WM-Feier im Gruenen, Clemens bezieht mit seiner Freundin erstmals eine gemeinsame Wohnung. Der direkte Umbruch hilft sicherlich, um auf andere Gedanken zu kommen. Richard versteckt sich bis jetzt in seiner alten Wohnung in Muenchen, geniesst die Zeit alleine und trifft sich nach und nach mit den ersten Freunden. Am ersten August ging es fuer Richard erstmals wieder ins Office… wir sind gespannt, ob er sich nach 15 Monaten Flipflops ueberhaupt wieder in die engen Business-Schuhe zwaengen kann. Das ist im Grunde auch eine gute Metapher fuer das, was uns die kommenden Monate bevorsteht.

Und es ist wirklich so, wie andere Langzeitreisende es beschreiben – man staunt schon, wenn man nach 15 Monaten Nord- Mittel – und Suedamerika wieder zuhause ist. Wir leben im Paradies, und keiner scheint es zu wissen. Wir fuehlen uns leicht entrueckt, melancholisch, aber auch zugleich zutiefst gluecklich und zufrieden. Wir haben es geschafft. Es ist alles genau so gekommen, wie wir es wollten. Wir wissen noch alle Stationen unserer Reise ziemlich genau. Und nach allem, was passiert ist, faellt es uns schwer, an Zufaelle zu glauben.

Ein „Alter Mann“ kam uebrigens noch einmal vorbei, nach langer Zeit. Unser Rueckflug hatte einen Stopover in Recife, beide Flugsegmente jedoch mit unterschiedlichen Airlines. Fuer uns war es logisch, dass wir unser Gepaeck abholen und neu aufgeben muessen. Am Gepaeckband kam ein aelterer Mann zu uns, mit dem wir vorher einige wenige Worte gewechselt hatten. Aus dem Nichts fragt er uns nach unserer Buchung und erklaert, dass unser Gepaeck durchgereicht wird. Er bittet um unsere Gepaeckaufkleber, prueft, und nickt. Dann muss er weg, hat irgendwo irgendetwas „in der Stadt“ zu erledigen. Wir blicken uns an, schon gar nicht mehr erstaunt. Anstatt stundenlang am Gepaeckband zu warten und die Leute am „Lost and Found“-Schalter zu terrorisieren, spielen wir noch entspannt Tischkicker in der „Fanzone“ gegen Brasilianer. Beim Stand von 7:0 stoehnten sie kurz auf. Erinnerungen kommen hoch.
Warum wir beim Flug nach Frankfurt dann auch noch automatisch upgegradet wurden, wissen wir auch nicht. Wenn es laeuft, dann laeuft´s eben.

Noch fuehlen wir uns immer als Fremdkoerper, als wuerden wir die Heimat von einer anderen aus Ebene betrachten. Tatsaechlich faellt es noch schwer, Papier in die Kloschuessel zu werfen. Wir muessen schmunzeln, wenn sich jemand beschwert, weil der Nachbar Rasen maeht – in vielen Gegenden auf unserer Reise waere dass eines der friedlichsten Geraeusche gewesen, die wir uns vorstellen konnten. Schliesslich muss auch erst einmal Rasen da sein, den man maehen kann.
Mal sehen, ob wir uns demnaechst wieder voellig eingegliedert haben, oder ob Road2Rio langfristig seine Spuren hinterlassen hat. Hoffentlich.

Die Soziologen sagen, dass es unmoeglich ist, ausserhalb des eigenen kleinen Universums zu denken, zumindest die Systemtheoretiker. Dass hiesse, dass alle Eindruecke und Erfahrungen der Reise irgendwann fuer das Erfassen unserer Umwelt in Deutschland keine Rolle mehr spielen wuerden. Aber haetten wir immer auf die Leute gehoert, die sagten, was alles unmoeglich sei und was nicht funktioniert – wir waeren nie losgefahren. Fakt ist: Alles ist moeglich. Immer. Wir werden das Erlebte niemals vergessen, wir hatten die beste Zeit unseres bisherigen Lebens. Wir sind sehr dankbar fuer alles, was wir erleben durften, auch wenn wir nicht sicher sind, bei wem genau wir uns bedanken muessen, wer da die Strippen im Hintergrund gezogen hat.

Auf jeden Fall bedanken wir uns hier nochmals an alle Unterstuetzer, Spender, „Mutzusprecher“ und „offenen Ohren“, als wir so unsere Problemchen hatten. DANKESCHOEN!!

Die grosse Frage ist nun: Was jetzt?  Wir wissen es auch nicht. Wir geniessen zur Zeit den Luxus des normalen Lebens, die Kleinigkeiten und Annehmlichkeiten. Wir werden nach einer Weile vermutlich wieder das ganz normale Leben fuehren. Was das Herz fuer eine Meinung zu dem Ganzen haben wird, wird sich zeigen. Vor allem, wenn man morgens, auf dem Weg ins Buero, im serioesen Anzug an Sami vorbei watschelt, Pinguin-Style. Der dasteht, mit seinen grossen Augen, und einem zuzuwinkern scheint: „Lust auf einen Trip?“. Recht hat er ja. Ein paar Klamotten rein, ein paar Anrufe, den Reisepass holen, die Kuehltruhe anstellen… und schon koennte es losgehen. Der Rest ergibt sich unterwegs. Es ist tatsaechlich so einfach. Tja, schaun mer mal…Muenchen – Hongkong klingt doch nach einem Abenteuer, oder? 😉

Liebe Freunde von Road2Rio, vielen vielen Dank, dass ihr uns die letzten 14 Monate gefolgt seid! Es tat gut zu wissen, dass unser Trip so viele Menschen interessiert, vor allem wenn man sich irgendwo am Arsch der Welt rumtreibt und sich etwas verloren fuehlt.

Jetzt bleibt bitte noch etwas bei uns, es folgen noch einige AEUSSERST interessante Medienauftritte im Fernsehen von uns – stay tuned! 🙂

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English version:

We´re home since exactly two weeks now, still our heads and thoughts are somewhere else. Why (and how) could it be different, after all what happened in that special night in Rio de Janeiro:

Well, we won´t write an essay about the final here, everbody has seen the match, absorbed the pictures, every single one of us wrote his own world cup history.
It definitely has been by far the most intense, the most nerve-racking and the most exhausting football match we´ve ever seen and we will probably will see. We have been woken up by Argentinians cheering on the streets at 6am, but we couldn´t sleep anyways. Just the way to the playground, the legendary Maracana Stadium, was a mixture of goose skin and nervousness. It was hot, huge crouds of fans, police, over all throned the Redeemer…but still quite a amicable athmosphere. The day of the world cup final! The day we´ve been dreaming of since years, quasi daily on our trip. We are here, it really happens, right now. It was so unreal.

We tried to tell ourselves that we should be happy just to be able to be live in the stadium. That it all worked out with the tickets. That we are allowed to enjoy a world cup final, independently from the result. We couldn´t. A defeat is unthinkable, it just must not be! In every second we would recap our trip there would always be this pain of defeat. A red line which sneaks into every memories, a bitter aftertaste, a grey curtain on every of our photos which you cannot photoshop even with the best picture editing tools.
But luckily, luckily history should take a different course at that day.

From our seats we could spot the grandstands on the other side, with those empty blue steps in the center where the award ceremony would take place. We saw that, and we daydreamed how our team could celebrate the title over there. How Philipp Lahm, our captain, would raise the trophy in front of team into the night sky of Rio. Today! It could come true here and today.
But for us, it somehow was about more: We wanted this lifelong dream to becomes true. It was also about the proof that you can influence your fate, that everything is possible. That only from a dream and a strong will (and three years ago we didn´t have more than that) something big can result, which few people thought it was possible.

And it came true. All that incredible tension from the past weeks and months exploded in that 113. minute, and at the final whistle, of course. We cannot describe those feelings in these moments. Beer cups were flying, the Germans one big ball of emotions with us in the middle, embracing each other, crying, with the knowledge that it just became true. Inconceivable.
A truly magical night at the Copacabana and in Lapa followed, all Germans celebrated so happily and jolly, as if it was the last day. Nobody could really believe that we´re really celebrating the winnings of the world cup 2014 right now. Hundreds of people lay in each others arms, swaying „So ein Taaag…“ („What a daaaay…“) …both Brazilians and Argnetinians haven´t seen that before. And we didn´t either.

All these thoughts and memories are still present in our heads. The other day we have been dining in Botafogo,the last supper, today we are back home in Stuttgart and Munich.

The „resocialization“ back home takes pretty different courses for us. We give a small world cup party in the park in Stuttgart, Clemens moves into a new appartement with his girlfriend. This strong cut for sure helps to relax the mind. Richard is till hiding in his old beloved appartement in Munich, enjoys the time on his own and meets the first friends after a while.
At first of August Richards headed off to the office, for the first time after 15 months…we are excited if he fits into thight business shoes after fifteen months of wearing flip-flops. This is also a good metaphor fo what is waiting for us in the upcoming months.
And it really feels like other longtime-traveller describe it – you marvel at everyhting when you come home after that long time in North- Central- and South America. We feel kindof displaced, melancholic, but also deeply happy and satisfied. We made it. It all happened how we wanted it to happen. We can remember almost every station of our trip pretty well. And after all what happened it is difficult for us to believe that it all was just simple coincidences.

By the way, an „Old Man“ visited us again, for the last time. Our flight back had a stopover in Recife, both flight segments have been executed with different airlines. For us it was just logical that we had to fetch our luggage and check it in again. While waiting at the baggage claim an elder man approached us with whom we spoke only a few words before. Out of the blue he asks about our bookings and explains that our luggage is checked through. He asks for our receipts, checks and nodds. Then he has to move on, „some business in the city center“, and he vanishes. We look at each other, not even astonished anymore. Instead of waiting at the baggage claim forever and terrorizing the guys at the „lost and found“ counter we play some foosball in the airport´s fan zone against some Brazilians. At the score of 7:0 they moaned a bit. Memories came back.
We don´t know why we got an automatic upgrade on the flight to Frankfurt. When it goes, then it goes.

We still feel like aliens, as if we watch our homes from a different layer above. Indeed it still feels weird to throw toilet paper into the toilet. We have to smile when people complain about the neighbour who dares to mow the lawn on a friday afternoon – in many parts of the world we have been on the trip this would be the most peaceful sound we could aimagine.
Let´s see in we are fully re-integrated .in a while, or if Road2Rio left its permanent traces in our minds. Hopefully.

The sociologists say that it is impossible to think out of your little universe, at least the system theorists do. According to them all the experiences from Road2Rio wouldn´t have an effect on how we see our world back home in Germany, at least not on the long run. But if we would have listened to all that people who claimed that something is impossible – we wouldn´t have even started the trip. In fact, everything is possible. Always.

We will never forget what we experienced, we´ve had the best time of our lifes so far. We are so thankful for everything, though we are not sure who we have to thank. We are not sure who pulled the straps in the background, but someone did, we are pretty sure about that.

Anyways, we thank all the followers, supporters, contributors, „encouragors“ and „open ears“ when we had our little problems. THANK YOU GUYS SO MUCH!!

The big question is: What now? We don´t know either. Currently we´re enjoying the luxury of a regular life, the small things and amenities. After a while we most probably live a very normal life again. Let´s see what our hearts think about that ;-). Especially when Sami is waiting in front of the house door, when you see him on the way to the office, dressed like a penguin, when he seems to wink at you like „Are you up for a ride, old friend?“. And he is right. Grab some clothes, get the passport, switch on the fridge in the car, do some calls…and we could start again. The rest comes on the road. Indeed, it is that simple. Really. Well, let´s see…Munich – HongKong sounds like an adventure, right? 🙂

Dear friends of Road2Rio, thank you for following us during the last 14 months! It felt good that someone cares when you are in the middle of nowhere and feel a bit lost!

Now please stay with us, there are some REALLY interesting upcoming things in German TV with us – stay tuned! 🙂