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Road2Rio – Ein Jahr danach / Road2Rio – One Year After

einsortiert unter: Allgemein, am 16. Juli 2015

Der heutige Tag ist etwas kühler als die vergangene Hitzewelle, die Deutschland die letzten Wochen überrascht hat. Und so kommt es, dass heute nicht einmal das Wetter an unsere damalige Zeit auf dem Amerikanischen Kontinent erinnert. Wir sind seit genau einem Jahr wieder zurück in der Heimat, und alles scheint genau so zu sein wie vor der Abreise. Wir wohnen wieder an denselben Orten, treffen unsere guten alten Freunde, besuchen dieselben Biergärten und es scheint tatsächlich, als wäre man nie weg gewesen.

Vor und waehrend der Reise haben wir uns natürlich immer wieder gefragt, ob man als veränderte Persönlichkeit heimkehrt? Wie sehr würden uns all die Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse auf lange Sicht prägen? Wuerden wir, wie bei „Cast away“, nur noch auf dem Boden neben unseren Betten schlafen koennen? Halten wir es in unserer ueberbevoelkterten, verdreckten Zivilisation ueberhaupt noch aus?
Tatsächlich wird man in der Tat entspannter, wenn beim Tengelmann beispielsweise wieder nur 2 Kassen besetzt sind und alles etwas länger dauert – immerhin muss man sich nicht stundenlang durch das hohe und kalte La Paz kämpfen, um irgendeine Behörde zu finden, die einem eine Autoversicherung verkauft. Im warmen Supermarkt an der Kasse warten, es gibt Schlimmeres.
Genauso wissen wir immernoch sehr zu schätzen, dass man einfach nachts durch den Münchner Englischen Garten spazieren kann und die einzige Bedrohung das Wurzelwerk ist, ueber das man böse stolpern kann. In San Pedro de Sula in Honduras, und eigentlich in allen anderen Städten Mittel- und Südamerikas, wäre das ein absolutes No-Go.
Kaffee auf Knopfdruck, Bueffelmozarella im Supermarkt, eine richtige Waschmaschine, eine Heizung…Polizisten, die einem wirklich helfen wollen…all das ist fuer uns immernoch ausserordentlich, und wird hoffentlich immer so bleiben.
Aber wird man im Geschäftsleben nun ruhiger und ist weniger stressanfällig, weil man so viel gesehen hat? Interessanterweise nicht. Wir haben beide nach unserer Heimkehr neue und sehr fordernde Jobs angenommen, und wir können euch eins sagen: vor Bären flüchten zu müssen, in Mexiko oder Honduras von bewaffneten maskierten Männern “kontrolliert” zu werden – all dies hilft einem mental auch nicht viel, wenn wieder mal eine kritische Deadline ansteht und bis in die Nacht hinein gearbeitet werden muss. Die Soziologen sagen, dass gemaess der Systemtheorie dies auch nicht moeglich ist. Das Bewusstsein bezieht in den eigenen Mikrokosmos vergangene oder weit entfernte Erlebnisse nicht mit in die Gefuehlslage mit ein. Mit anderen Worten: Das Wissen, dass viele Menschen, die wir im kolumbianischen Hochland kennengelernt haben, nicht einmal Strom haben, macht einen zurueck in Deutschland auch nicht wirklich sorgenfreier. Interessant, oder?

Aber die Veränderungen sind da, im Hintergrund und unbewusst, sie kamen schleichend. Natuerlich hinterfragt man vieles kritischer. Wir haben seit unserer Rückkehr nichts gekauft, ausser Ersatz für die verschlissenen kurzen Hosen, ein paar T-Shirts und zwei neue Handys. Mit Gesprächen über die Kinderwägen mit der besten Federung können wir ueberhaupt nichts anfangen, und erinnern uns an die Peruanerin in den Anden, die ihr fröhlich glucksendes Kind einfach auf den Rücken gebunden hatte, während sie mit uns gemeinsam Essen gekocht hat. Wir können auch nicht mehr verstehen, wieso wir Deutschen uns stundenlang über die beste Berufsunfaehigkeitsversicherung unterhalten können oder bei einem Kratzer im Auto tatsächlich mehrere tausend Euro für eine Reparatur ausgeben. Lachs aus dem deutschen Supermarkt können wir kaum noch kaufen, die Erinnerung an Alaska ist noch zu präsent. Glücklicherweise haben wir Metzgereien gefunden, welche (uebrigens hervorragendes) deutsches Fleisch nach südamerikanischer Art schneiden, also mangelt es uns auch weiterhin nicht an Vitamin R  :-).

Und was passiert jetzt? Clemens ist neuerdings verlobt (whoo-hooo), lässt sich häuslich nieder und plant, in Zukunft erst einmal die entlegenen und einsamen Ecken Europas zu befahren. Richard ist quasi das Gegenteil: Er hat seinen neuen Job bei einem coolen start-up bereits wieder gekündigt, und versucht nun als Selbstständiger sein Glück. Nebenbei arbeitet er bereits an einem eigenen Projekt (www.ways2live.net – stay tuned ;-)). Und irgendwie spukt da noch so eine Idee von “The Big Round” in seinem Kopf herum, nämlich die Umrundung des Himalaya mit Sami von Muenchen aus…aber das ist derzeit nur eine Vision. A pro pro Sami: Unser alter Junge ist mittlerweile repariert und hat sich sein neues Fahrwerk redlich verdient. In den nächsten Wochen bauen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein, und dann ist er wieder der Alte. Ach, was lieben wir ihn!

Und die Reise an sich? Die WM? Wir denken jeden einzelnen Tag daran. Mehrmals. An all die Kilometer und Länder, wir können uns erstaunlich gut an jeden Stopp unserer Reise erinnern. Und natürlich an das Maracana. Die Stunden davor, die Copacabana danach. Im Grunde denken wir jede freie Minute zurück, und der 13. Juli wird immer ein besonderer Tag für uns bleiben. Wenn wir TV-Bilder von der WM im Fernsehen sehen, kommen uns fast die Tränen, und das wird sich in den nächsten Jahrzehnten wohl auch nicht ändern. Zumindest hoffen wir das. Philipp Lahm brachte es vor kurzem auf den Punkt „Weltmeister bleibst du lebenslang“.

Bitte bleibt uns noch etwas treu, Richard wird demnächst zu einem neuen Projekt einladen, dass euch alle mit auf weitere grosse Abenteuer mitnehmen wird – und zwar interaktiv!

Bis dahin bleibt nur zu sagen: Vielen Dank für das ueberragende Feedback zu unserem Film! Für alle diejenigen, die ihn noch nicht gesehen haben oder gegebenenfalls noch ein tolles Geschenk suchen – auf Amazon gibt es noch einige Exemplare zu erstehen :). Wir bedanken uns im Voraus für jeden Kauf bei euch! http://www.amazon.de/dp/B00PSNCAHU

Unseren ersten Schluck des Jubiläumsbieres spenden wir wie immer als Dank für Alles an unsere geliebte Pacha Mama.

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english version:

Today it is a bit cooler than the previous heatwave which afflicted Germany during the past weeks. And so it is, that today not even the weather reminds us of our time on the American continent. We are back since exactly one year now, and everything seems to be the same as before we left. We live at the same places, meet the same good old friends, visit the same beergardens and it really feels like we have never been away.

Before and during our trip we asked ourselves over and over again, whether we’d come home with completely changed personalities? How much would all the impressions and experiences imprint us on the long run? Would we, just like in „Cast Away“, only be able sleep on the ground next to our beds? Would we at all be able to live in our overpopulated, manky civilization again?
Indeed you get more relaxed, for instance in the line at the register in the supermarket, when things take longer than usual – at least you don’t have to fight your way through the high and cold La Paz to find some super-slow officials who sell you a useless car insurance. To wait in a warm supermarket, there are worse things than that.
And just as well we still appreciate that you can simply walk through Munich’s English Garden at night, and the only danger are nasty roots on the grounds which can make you stumple quite heavily. In San de Predo de Sula in Honduras, and in pretty much all other cities in Central- and South America this would be an absolute  no-go. Coffee at the push of a button, buffalo mozarella cheese in the supermarket, a real washing machine, a heating…police cops who are really willing to help you…all that is still extraordinary for us, and we hope that it always will be.
But do you get more relaxed when being back to business, because you have seen so much? Are you more stress-resistent in your job? Interestingly no. We both took new and challenging jobs straight after our return, and we can tell you one thing: Getting chased by bears, being „controlled“ by masked armed men in Mexico or Honduras – all that doesn’t relly help mentally when there is another critical deadline to meet and you have to work late night. The sociologists say that, according to the systems theory, this isn’t even possible. The own consiousness doesn’t factor previous or distant experiences into the current emotional situation. In other words: Knowing that many of the people we got to know in the Colombian Highlands don’t even have electricity doesn’t really make you feel happier back home in Germany. Interesting, isn’t it?

But the changes they are there, in the background, unconscious, they came subtle. Of course we question things more critically. Since we’ve been back we didn’t buy anything except some replacement for our worn out pants, a few shirts and two new phones. We can’t do anything with discussions about the newest strollers with the softest suspensions, and we think back to the Peruvian lady in the Andes who carried her happily chuckling child tied on her back, while cooking food together with us. We cannot get at all how we Germans can talk for hours about the best disability insurance and why we spend thousands of Euro to remove a tiny scratch from our cars. It is hard for us to buy salmon in German supermarkets, the memories of Alaska are too present still. Luckily we’ve found butchers who sell South-American beef cuts (very good ones btw), so we are not suffering a lack of vitamin R here in Germany :-).

And what happens now? Clemens is engaged now (whhoooohoo), is settling down and plans to visit the remote and lonely places of Europe now. Richard is the opposite: He already has quit his new job at a cool start-up, and tries his luck by being self-employed. Along the way he works on an own project (www.ways2live.net – stay tuned :-)). And somehow there is that idea of „The Big Round“ which is haunting in his head, a circuit tour around the Himalaya with Sami, starting in Munich…but that’s only a vision for now. Talking about Sami: Our old boy is completely repared now, and he really earned his new suspensions. We gonna add some details in the upcoming weeks, and then he is back to his old form. What do we love him!

And the trip itsself? The World Cup? We think back each day. Several times. All those miles and countries, we still can remember all places and situations surprisingly well. And the Maracana, of course. The hours before the match, the Copacabana after. We seriously think back every possible minute, the 13th of July will always stay a magic day for us. When we see the TV footage of the World Cup we almost start crying, and that most probably won’t change over the next decades. At least we hope so. Philipp hit the nail recently: „World champion is something you remain your entire life.“

Please remain true to us for a little while, Richard will soon invite to his new project which will take you on further big adventures – interactively!

So, in the end, we again have to say: Thanks so much for the overwhelming great feedback to our movie! For those of you who haven’t seen it yet or who are looking for a cool birthday present – there are some copies left on Amazon :-). http://www.amazon.de/dp/B00PSNCAHU
Thanks so much in advance for every purchase!

Our first mouthful of our anniversary beer is, as always, dedicated to our beloved Pacha Mama – thank you for everything!