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Der „Alte Mann“ / The „Old Man“

einsortiert unter: México!, am 15. November 2013

Nach der wilden, aber auch idyllischen und abgeschiedenen Pazifikküste befinden wir uns nun im äußersten Osten Mexikos – im Grenzgebiet zu Guatemala. Nebel, Maya-Ruinen, hauptsächlich indigene Stämme (Durchschnittsgröße 1,50m) und steile Berghänge prägen das Bild des mexikanischen Hochlands. Für 150 Kilometer brauchen wir teilweise bis zu 5 Stunden.
Nun stehen wir vor einer weiteren Weggabelung: Den ganzen Weg hoch nach Yucatan oder gen Osten direkt ins Hochland nach Guatemala? Schlechtes Wetter in Yucatan, Unsicherheit zu den Grenzübergängen (manche scheinen nur zu Fuß / Boot zu überqueren), verbreiteter Drogen- und Menschenhandel im Grenzgebiet, anstehende Wahlen im politisch ohnehin zerrütteten Honduras sind nur einige der Variablen in dieser Entscheidung. Intensive Momente.

Und da suchte er uns wieder auf. Der mysteriöse „Alte Mann“, der uns nun schon einige Male auf der Reise in wegweisenden Situationen begegnet ist. Diesmal trat er in Inkarnation eines älteren Franzosen auf, der allein mit seinem Expeditionsmobil unterwegs ist. Ob sich seine Mahnung, direkt nach Guatemala zu fahren, als richtig erweisen wird, bleibt noch abzuwarten – aber wir vertrauen mittlerweile auf seinen Rat. Er taucht jeweils scheinbar aus dem Nichts auf und gibt uns goldene Hinweise und Hilfe. Natürlich sind es verschiedene Männer, aber sie scheinen sich alle auf unheimliche Weise zu ähneln:

In den Bergen Colorados hat uns ein „Alter Mann“, den wir „The milepost man“ nennen, das „Milepost Book“ ans Herz gelegt, ein angeblich unschlagbarer Reiseführer für die lange Fahrt nach Alaska. Er kam sogar noch einmal wieder, und Richard musste versprechen, es zu kaufen. Es war mit Abstand das Beste, was wir für Kanada und Alaska besitzen konnten, eine echte Bibel. Ohne dieses Buch wären wir viele Male aufgeschmissen gewesen.

In höchster Not, bei unserem Unfall in Oregon, kam John. Er hat unsere Hecktraverse mit einem Bagger gerichtet, kannte jemanden, der unseren Auspuff geschweisst hat und besaß alles Notwendige für unsere Reparatur.

Vor dem Grenzübertritt nach Tijuana hat uns bei einer Reparatur auf dem Campground eine bestimmte Nuss gefehlt. Metrisches System, in den USA nicht so leicht zu finden. Ein „Alter Mann“ reicht uns fast wortlos genau dieses Werkzeug, um danach wieder in den Tiefen des Campgrounds zu verschwinden.

Auf der Baja California, als ständiges Rütteln des Lenkrades große Sorgenfalten auf unsere Stirne gemalt hatte, wollte Richard aus Verzweiflung die gesamte Spurstange austauschen. Ein Kopf war quasi schon ausgebaut, als ein „Alter Mann“ vorbeikam, mitten in einer gottverlassenen Oase mit ein paar Hundert Einwohnern. Mit 30 Jahren Offroad- und Rallyeerfahrung hat der Südafrikaner auf Unwuchten in den Reifen getippt und von dem Spurstangenwechsel dringend abgeraten. Er empfahl uns, die Vorderreifen um 90° zu drehen. Wieso, wissen wir nicht. Wir haben einen Reifen getauscht, den anderen um 90° gedreht. Das Rütteln ist weg. Lochkreiszentrierung, Magie, was auch immer, wir können es uns physikalisch nicht erklären. Aber es hat funktioniert.

Wer ist dieser grauhaarige „Alte Mann“, der uns regelmäßig aufsucht und den Weg zu weisen scheint? Hat unser Schutzengel eine Wette mit dem Teufel am Laufen und spielt seine „Support“-Joker aus? Wenn ja, wie viele hat er noch?

Generell nehmen wir immer gerne Ratschläge an, vertrauen aber nicht blind auf fremde Meinungen oder Empfehlungen. Jeder macht seine eigene Reise, hat eigene Ideen und Ansichten. Aber einem „Alten Mann“, der aus dem Nichts erscheint und uns ins Gewissen redet, werden wir wohl immer als Weisung verstehen…auf nach GUATEMALA!

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 english version:

After the wild, but also idyllic pacific coast we are currently at Mexicos most eastern point, in the border area to Guatemala. Mist, maya ruins, many indigenous tribes (average height ~1,50m) and steep mountainsides influence the scenery. For 100 miles we need upt to 5 hours.
Now we face another crossroad: all the way up to Yucatan or straight to the East to Guatemalas highlands? Bad weather in Yucatan, incomplete information on the different borders (appearantly some are only crossable per pedes or by boat), drug- and human trafficing in this border district, upcoming elections in the politically already instable Honduras are only some variables to be considered in this decision. Intense moments.

And there he is again. The mysterious “Old man” we now met several times in game-changing situations on our journey. This time he appeared as an incarnation of an old French guy who travels alone in his expedition mobile. It remains to be seen if his insistent advice to drive straight to Guatemala will be right – but by now we trust his council. He pops up out of nothing and gives us golden help. Of course they are different men, but they are alike in an eerie way:

In Colorado’s mountains an “Old man” who we call “The milepost man” recommended us warmly the “Milepost book”, a reputedly unbeatable guide for the long way up to Canada and Alaska. The man even returned and Richard had to promise that we will buy that book. And so we did in Denver, and it was by far the best we could have in Alaska, a real bible. Without that book we would have been stuck several times.

In worst trouble, right after our accident in Oregon, John came. He fixed our rear traverse with his big digger and a steal chain, he knew somebody who welded our exhaust and owned everything we needed for our repairs.

Right before our border crossing to Tijuana we needed a certain tool to fix a minor repair on the campground. Metric system, not easy to find in the States. An “Old man” handed us excactly that tool, wordlessly, just to dissapear back in his RV.

On the Baja California, as constant vibrations of our steering wheel haad painted deep worry lines on our foreheads, Richard desperately wanted to replace the steering rod. One end was almost unistalled, as an “Old man” passed by, in the middle of an oasis with only several hundred residents. With more than 30 years of offroad experience the old South African strongly adviced against this replacement. He assumed the problem in unbalanced wheel and suggested to turn the front wheels 90°. We do not know why. We changed one tire and turned the other one 90°. The vibrations are gone. Physics, magic, we don’t know, we cannot explain. But it worked out.

Who is this grey-haired “Old man” who visits us regularly and seems to show us the way? Does our guardian angel a bet with the devil going on and drags his “support” jokers from time to time? If yes, how many is he still holding?

In general we like to take advices, but we do not blindly trust other’s opinions or recommendations. Everybody is on his own journey, has own ideas and views. But so far we will always trust an “Old man’s” advice coming out of nothing and will see that as kind of fate. GUATEMALA here we come!